Anna Victoria Petrone

"Noch nie meinen Chef getroffen": Karrierestart in einem virtuellen Start-Up

8/30/2021

Interview von Gerald Hensel

Für die meisten ist der erste Job etwas, an das man sich gut zurückerinnert: Das erste Jobinterview, die ersten Team-Meetings, die erste Weihnachtsfeier. Aber was, wenn der erste Job überhaupt nicht an einem echten Ort stattfindet sondern der Karrierestart sich rein virtuell abspielt? Denn seit Corona ist alles anders. Und payactive begann schon als ein rein virtuelles Unternehmen ohne dauerhafte physische Präsenz aller Team-Mitglieder. Wir arbeiten an Standorten zwischen Edinburgh und Skopje und treffen uns fast ausschließlich auf Teams. Mit unserer Entwicklerin Victoria haben wir uns unterhalten, wie sich ein solches Unternehmen als erster Job anfühlt.

Hi Victoria, was tust du gerade?

Ich bin gerade in Italien, wo ich vor ein paar Jahren gewohnt habe. Klingt nach Ferien, ist es aber nur zum Teil. Bei Payactive spielen ja physische Locations keine so große Rolle. Man kann einfach arbeiten, wo man mag. Und weil ich gerne etwas mehr Sonne beim Arbeiten haben wollte, arbeite ich aktuell aus Italien. Praktisch, oder?

Was ist denn dein Job bei payactive?

Ich bin Junior Software Engineer bei payactive. Ich bin fürs Frontend verantwortlich und lerne gerade superviel. Seit vier Monaten arbeite ich in dieser Rolle. Das ist mein erster Job in diesem Feld und ein echt spannender Karrierestart.

Magst du kurz verraten, wie du nach Europa gekommen bist? Dein Background ist nämlich ziemlich spannend.

Ich komme aus Argentinien. Meine Heimatstadt ist Córdoba, die zweitgrößte Stadt des Landes. In Südamerika studierte ich Psychologie und entschied mich, nach Europa zu gehen. Meine Familie und mein Freund leben hier. Allerdings ist in Argentinien das Studiensystem sehr unterschiedlich zum europäischen System. Das merkte ich allerdings erst, als ich in Italien ankam und herausfand, dass ich einfach nicht weiter studieren kann in Europa. Die Systeme waren inkompatibel. Zuerst war das ein absoluter Schock. Ich hatte ja gehofft, dass ich hier weiterstudieren kann. Und dann ging das plötzlich nicht mehr.

Und wie verlief dann dein Karrrierestart als Developerin?

Ich hatte in Italien viel Zeit. Als Ausländerin muss man viele Amtsgänge machen oder auf Personen warten, die deine Anwesenheit und deinen Wohnort kontrollieren. In der Zeit fing ich an, mich mit Entwicklung zu beschäftigen. Mein Bruder ist seit vielen Jahren Entwickler und erzählte mir davon. Und weil das mit dem Studium ja nicht mehr funktionierte, brauchte ich einen Plan B. Web Development war meine Chance. Ich informierte mich, nahm Kontakt mit anderen Entwickler:innen auf und stellte etwas fest: Da gibt es eine riesige Community an Entwickler:innen, die sich alle das Programmieren selbst beigebracht haben. Vielen davon ging es so wie mir. Und von diesen Personen fing ich an zu lernen: Nämlich, dass man sich selbst eine neue Karriere schreiben kann, wenn man wirklich will.  

Du hast dir Development selbst beigebracht?

Ja, habe ich. Viele Personen aus der globalen Developer Community hatten einen ähnlichen Karrierestart wie ich. Viele von ihnen standen mal auch vor einer persönlichen Herausforderung und sind heute erfolgreiche Entwickler. Und das, indem sie als Autodiktat:innen begannen. Das notwendige Material zum Lernen ist ja online. Ich fing an mir alles durchzulesen, zu lernen und erste Online-Kurse zu machen. Mehr und mehr arbeitete ich mich ins Frontend-Development hinein, startete mit ersten kleinen Projekten. Und irgendwann bewarb ich mich auf Jobs. Ich hatte das Gefühl, dass die Zeit nun reif ist, dass ich das anwende, was ich gelernt hatte. Payactive fand ich über ein Stellenanzeige im Netz. Mathias und Andreas fanden meine Bewerbung interessant. Wir lernten uns rein online kennen, sie stellten mir eine Aufgabe und ich löste sie – offensichtlich erfolgreich.

Victorias Karrierestart bei payactive verlief etwas anders als bei anderen Neueinsteiger:innen

Du lebst in Nürnberg und arbeitest für ein Startup, dessen Team in Dresden, Hamburg, Köln und Edinburgh sitzen. Wie findest du es, so dezentral zu arbeiten?

Ich finde das großartig. Ich liebe Nürnberg und die Zusammenarbeit mit den Kollegen klappt super. Auch wenn meine Eltern es schon komisch finden, dass ich bisher meinen Chef noch nie in der analogen Welt getroffen habe. Auch, den Rest des Teams, habe ich auch nur einmal wirklich getroffen. Bei unserem Team-Retreat vor zwei Monaten. Aber Tatsache ist auch, dass es das kaum noch braucht. Zumindest in meiner Welt nicht. Ich kenne ja nichts anderes. Wir haben Team-Meetings auf Teams, wir feiern erfolgreiche Sprints auf Teams und Mittagspause machen wir auch gemeinsam auf Teams – manchmal zumindest. Eigentlich ist alles genau so wie in einem „normalen“ Unternehmen, nur eben virtuell.

Fehlt dir nicht manchmal Austausch mit echten Kolleg:innen?

Den habe ich doch. Die sind ja alle echt. Nur eben auf der anderen Seite des Monitors. Ich glaube nicht, dass mein Arbeitsalltag so anders ist als in einem traditionellen Unternehmen. Aber zugegeben: Man muss sich schon selbst strukturieren, um auf diese Art und Weise gut arbeiten zu können. Extrovertiertheit hilft.

Wobei?

Natürlich hat man in einem virtuellen Unternehmen nicht die physische Nähe zu Anderen. Man wird nicht so leicht mitgezogen, weil man eben in Realität alleine zu Hause sitzt. Das bedeutet, dass man Lust auf andere Menschen und auf aktiven Austausch haben muss. Ich habe zum Beispiel immer noch intensiven Austausch mit der globalen Developer-Community auch jenseits von Payactive. Wenn ich etwas wissen will, frage ich. Aber zugegeben: Das liegt nicht jedem oder jeder. Da muss man wohl der Typ für sein. Man braucht ein hohes Maß an Eigenmotivation und Disziplin um so zu arbeiten. Aber ich könnte mir für meinen Karrierestart kein schöneres Modell vorstellen.

Home Office ist bei dir Dauermodell. Kollidiert das nicht manchmal mit deinem Privatleben?

Nein, gar nicht. Ich habe mittlerweile einen guten Weg für mich gefunden. Ich weiß genau, wann ich abschalten kann und wann payactive-Zeit ist. Ich denke, dass es da sehr hilfreich ist, dass das mein Karrierestart in einem virtuellen Unternehmen ist. Ich denke, dass es viel schwieriger wäre, wenn es meine dritter oder vierte Position wäre. Für mich bedeutet das Modell totale Freiheit. Ich lerne nicht nur inhaltlich gerade superviel sondern ich erlebe auch gerade sehr viel Freiheit. Dass man arbeiten kann, wo auch immer man will, das haben nur wenige Generationen vor mir gehabt. Ich weiß das sehr zu schätzen.

Wie findest du eigentlich Nürnberg? Für eine junge Argentinierin kann es ja kaum deutscher werden als in dieser Stadt?

Ich liebe Nürnberg. Als ich mir Deutschland in Argentinien vorgestellt habe, habe ich mir immer eine Stadt wie Nürnberg vorgestellt. Mit diesen alten Häusern und so viel Geschichte. Ich liebe den Christkindlmarkt und die Weihnachtszeit. Es ist wunderschön. Interessanterweise gibt es sogar recht viele Lateinamerikaner und viele Entwickler. Kurz vor der Stadt, in und um Erlangen, gibt es ja viele große Unternehmen mit Weltruf. Siemens, adidas. Da gibt es eine große internationale Community.

Vielen Dank!

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